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Sonntag, 26.05.2024
Geschichte
Der Haltepunkt Wurlitz
Eisenbahn in Rehau
Nach dem Bau der ersten bayerischen Fernbahn von Lindau nach Hof begann auch in unserer Region das Eisenbahnfieber.
Auch Rehau wollte nat├╝rlich nicht abseits des neuen Verkehrsmittels liegen und Planungen und Eingaben wurden zuhauf gemacht. Auch die Stadt Hof mit ihren aufstrebenden Textilbetrieben war an einem weiteren Bahnanschluss in Richtung B├Âhmen interessiert, vorwiegend um die b├Âhmische Kohle schnell und billig antransportieren zu k├Ânnen. Nach l├Ąngeren Verhandlungen ├╝ber die Streckenf├╝hrung (zun├Ąchst war eine Bahnstrecke von Hof ├╝ber den Regnitzgrund - Regnitzlosau und weiter nach Ro├čbach - Asch geplant) kristallisierte sich die noch heute bestehende Bahnstrecke ├╝ber Oberkotzau - Rehau - Sch├Ânwald - Selb-Pl├Â├čberg nach Asch und weiter nach Eger heraus. Da der bayerische Staat am Bahnbau wenig interessiert war, wurde die Strecke auf Rechnung der Stadt Hof gebaut und die k├Ânigliche bayerische Staatsbahn ├╝bernahm den Bahnbetrieb pachtweise.
Am 24. Oktober 1864 war es dann soweit, die ersten zwei Lokomotiven erreichten aus Richtung Eger kommend den Rehauer Bahnhof. Und ein Jahr sp├Ąter, am 1. November 1865 wurde der regul├Ąre Betrieb aufgenommen. Zun├Ąchst verkehrten drei Zugpaare t├Ąglich.
Schon bald zeigte sich die segensreiche Wirkung des Bahnanschlusses: Bestehende Fabriken erweiterten ihre Produktionsst├Ątten und neue Fabriken kamen hinzu.
Nach dem ersten Weltkrieg ging mit der Neuordnung der L├Ąndereisenbahnen auch die Strecke Oberkotzau-Eger in das Eigentum der neu gegr├╝ndeten Deutschen Reichsbahn ├╝ber. Wichtigstes Umschlaggut war in den Jahren bis zum 2. Weltkrieg das Vieh. Rehau war bekannt als Hochburg der Viehh├Ąndler und ein Gro├čteil des nach Sachsen und B├Âhmen verkauften Viehs wurde in Rehau auf die Bahn verladen. Noch bis 1990 zeugte eine gro├če Viehverladerampe von der einstigen Bedeutung des Rehauer Bahnhofes, der vor dem ersten Weltkrieg im Frachtaufkommen an 54. Stelle aller bayerischen Bahnh├Âfe stand!
Schon in den 30er Jahren stationierte die damalige Deutsche Reichsbahn in Rehau eine Rangierlokomotive um die Bedienung der einzelnen Ladestellen und Fabriken zu beschleunigen und zu verbessern. F├╝r diese Diesellokomotive, auch "Bockel" genannt, wurde am Bahn├╝bergang Frauenberger Weg eigens ein kleiner Lokschuppen errichtet, damit der Bockel auch ein Dach ├╝ber dem Kopf hatte und in dem kleinere Wartungsarbeiten vorgenommen werden konnten. Dieser Lokschuppen wurde ├╝brigens erst 1990 dem Erdboden gleich gemacht.
Aber der allgemeine G├╝terr├╝ckgang auf der Schiene machte nat├╝rlich auch in Rehau nicht halt. So wurde die Viehverladung nach dem 2. Weltkrieg eingestellt und im Jahre 1972 wurde die St├╝ckgutabfertigung aufgehoben. Trotzdem war das Waggon-Aufkommen noch so hoch, da├č die Stationierung der Rangierlokomotive zun├Ąchst noch gerechtfertigt war. Doch am 31. M├Ąrz 1983 wurde auch diese nicht mehr ben├Âtigt und abgezogen. Seit diesem Zeitpunkt ├╝bernahm die Zuglokomotive des t├Ąglichen G├╝terzuges Hof - Selb Stadt die Bedienung der einzelnen Ladestellen.
War die Strecke Oberkotzau - Rehau - Selb-Pl├Â├čberg - Asch - Eger anfangs noch als eingleisige Hauptbahn eingestuft (erkennbar unter anderem daran, dass alle Bahn├╝berg├Ąnge technisch gesichert waren), so begann die schrittweise Degradierung schon in den 70er Jahren, als die Teilstrecke Selb-Pl├Â├čberg - Landesgrenze - Asch in eine Nebenbahn umgewandelt wurde unter gleichzeitiger Einf├╝hrung der CSD-Fahrdienstvorschriften. Mitte der 90er Jahre wurde dann auch der Streckenabschnitt Rehau - Selb-Pl├Â├čberg (und weiter nach Selb Stadt) in eine Nebenbahn umgewandelt und der sog. "vereinfachte Zugleitetrieb" (VZB) eingef├╝hrt. Seitdem melden sich die in Richtung Selb Stadt fahrenden Triebfahrzeugf├╝hrer ├╝ber Funk beim Rehauer Fahrdienstleiter, der ihnen dann die Fahrerlaubnis bis Selb Stadt erteilt. In der Gegenrichtung fragen die Triebfahrzeugf├╝hrer ├╝ber Funk ebenfalls beim Rehauer Fdl. an und erhalten dann die Fahrgenehmigung ab Selb Stadt. 2009 erfolgte die Umwandlung des Streckenabschnittes Oberkotzau - Rehau ebenfalls in eine Nebenbahn. Die Stellwerkseinrichtung sowie das Zugmeldeverfahren blieben jedoch unver├Ąndert und somit k├Ânnen in Rehau nach wie vor Zugkreuzungen mit Formsignalen beobachtet werden. Zu diesem Zweck ist auch das Fahrdienstleiter-Stellwerk noch besetzt und der Rehauer Fdl ist gleichzeitig Zugleiter auf der Strecke bis Selb Stadt. Das fr├╝her vorhandene W├Ąrterstellwerk "Ro" (Rehau Ost) wurde hingegen im Januar 2005 dem Erdboden gleich gemacht.
Im Zuge der Reaktivierung der Bahnstrecke nach Asch und Eger wird in Rehau ein elektronisches Stellwerk (ESTW) errichtet welche die gesamte Strecke von Oberkotzau ├╝ber Selb-Pl├Â├čberg bis nach Asch steuern wird. Ab der Landesgrenze ist der Fahrdienstleiter im CD-Bahnhof Franzensbad zust├Ąndig und steht in direktem Kontakt mit seinem Rehauer Kollegen.
Zum Fahrplanwechsel im Mai 1996 wurde auch der verbleibende G├╝terverkehr auf der Strecke Hof - Selb eingestellt und seitdem verkehrt auch kein G├╝terzug mehr in Rehau weshalb die G├╝tergleise entbehrlich und schlie├člich im August 2001 ersatzlos demontiert wurden.
Wesentlich anders als im G├╝terverkehr verlief die Entwicklung im Personenverkehr. Nach der allgemeinen Ausd├╝nnung des Angebotes in den 60er und 70er Jahren erfolgte 1983 die Verkehrsruhe an Samstagen und Sonntagen. Ein ungeahnter Aufschwung kam aber ab 1996, als im Zuge der Regionalisierung des Nahverkehrs der Freistaat Bayern f├╝r alle Nahverkehrsleistungen zust├Ąndig wurde und auch auf der Strecke Hof - Selb Stadt wieder Wochenendfahrten bestellte und unter der Woche einen st├╝ndlichen Taktverkehr von 6 - 21 Uhr einrichtete. Die nach der Einstellung des G├╝terverkehrs verbleibenden 2 Gleise werden somit rege genutzt, kreuzen doch st├╝ndlich die Z├╝ge Hof - Selb Stadt und Gegenrichtung in Rehau.
Im Mai 2011 wurden im Bf. Rehau die Gleise komplett erneuert und mit Betonschwellen versehen und auch der Bahnsteig saniert.
Nach der erfolgten Vergabe des "Dieselnetzes Oberfranken" zu welchem auch die Selber Nebenstrecke geh├Ârt endete mit Ablauf des 11. Juni 2011 nach 146 Jahren die ├ära der Staatsbahn auf der Bahnstrecke Hof - Selb. Zwar wurde die Strecke Oberkotzau - Selb-Pl├Â├čberg (und weiter nach Asch - Eger) von der Stadt Hof gebaut, den Betrieb f├╝hrte jedoch von Anbeginn an die k├Âniglich bayerische Staatsbahn sowie nach dem Ende der Monarchie in Bayern die Deutsche Reichsbahn bzw nach dem Ende des 2. Weltkrieges die Deutsche Bundesbahn. Erst im Zuge der Bahnreform seit 1994 war es ohne gr├Â├čeren Aufwand m├Âglich, mit privaten Bahnfahrzeugen das Streckennetz zu befahren. Jedoch wurde auf der Strecke Hof - Selb nur sehr, sehr selten davon Gebrauch gemacht. Dies lag wohl vorwiegend in der auf ein absolutes Minimum reduzierten Infrastruktur denn (private) Sonderz├╝ge hatten einfach keine Gleisanlagen zum wenden, kreuzen oder abstellen mehr.
Mit der ├ťbernahme der Leistungen im Dieselnetz Oberfranken durch die Agilis Verkehrsgesellschaft, einem Tochterunternehmen der Hamburger Hochbahn und der Benex werden nun alle Z├╝ge der Strecke Hof - Selb Stadt von den Agilis-Triebwagen der Type Regio-Shuttle RS 1 (DB-Baureihe 650) gefahren. Einher ging damit eine deutliche Fahrplanverbesserung, so wurde auch am Wochenende der Stundentakt eingef├╝hrt und am Wochenende eine Fr├╝hverbindung nach Hof sowie an allen Tagen noch eine Sp├Ątabendverbindung eingerichtet. Somit herrscht nun von 5:30 - 23:30 h Betrieb auf der Schiene und das Personenverkehrsangebot ist heute besser denn je.
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